Chronik

Turnvater Jahn

„Turnvater Jahn“ (1778 Lanz bis 1852 Freyburg/Unstrut) studierte in Halle an der Saale, Göttingen und Greifswald Theologie und Philologie, ehe er 1809 als Lehrer nach Berlin kam und in der Folge als Begründer des deutschnationalen Turnwesens Geschichte machte. In der Berliner Hasenheide steckte Friedrich Ludwig Jahn 1811 Deutschlands ersten Turnplatz ab und bestückte ihn mit überwiegend selbst erfundenen Geräten für bisher nicht erfasste Leibesübungen. Die Novitäten:
  • Turnplatz,
  • Turnhalle und
  • Turngeräte
machten rasch Furore, und Jahns Spekulation auf eine Stärkung der Nation durch körperliche image004Ertüchtigung ihrer Jugend erwies sich 1813/1814 in den Freiheitskriegen gegen Napoleon I. als richtig: Zahlreiche Turner wurden freiwillig Soldat, um ihre Kampfkraft „für Gott und Vaterland“ unter Beweis zu stellen. Jedoch 1815, nach Napoleons „100 Tagen“ zwischen Elba und Sankt Helena, als Deutschlands Unabhängigkeit gesichert schien, wurde turnerische Wehrertüchtigung zum Bumerang. Weil Jahn nicht nur die Franzosen aus dem Land jagen, sondern mehr wollte, weil er persönlicher Freiheit und Verfassungsreform das Wort redete, durfte in den Jahren 1819 bis 1830 überhaupt nicht mehr geturnt werden. Jahn verlor sein Lehramt und musste sich nach Freyburg ins Exil begeben. Er fand erst 1848 Genugtuung. Als in der Frankfurter Paulskirche das erste deutsche Parlament zusammentrat, war Friedrich Ludwig Jahn gewählter Abgeordneter der Nationalversammlung. Die Anfänge des Turnens in Burgstädt lagen in den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Mit der beginnenden wirtschaftlichen Entwicklung entstand eine Bürgerwehr, die bei Bränden und besonderen Anlässen zum Einsatz kam. Neben dem Üben für den Notfall wurden auch Übungen zur Körperkräftigung nach „Jahnschem Vorbild“ vorgenommen. Der Turnverein „Vater Jahn“ wurde am 19. Januar 1897 als bürgerlicher Sportverein gegründet. Dachverband war die deutsche Turnerschaft. Der Turnverein hielt am 10. September 1898 sein 1. Stiftungsfest ab.

Gründungstag

Zum 5. Gründungstag im Jahre 1902 wurde eine Jubiläumsfahne überreicht, sie ist heute noch erhalten, ebenso wie die weinrote Vereinsfahne mit goldfarbener Handstickerei. Der Verein gab sich 1912 ein bürgerliches Symbol FFFF (Frisch-Fromm-Froh-Frei) “Grundgesetz”., Im § 9 dieses Grundgesetzes wurde auch verfügt, dass eine Abänderung sowie die Auflösung des VereinsFoto aufgenommen im Juli 1909 nur durch eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder erfolgen kann. Die vier aufeinander gestellten “F” bildeten das Symbol der Deutschen Turnerschaft.


“Frisch, Fromm, Froh, Frei” 


Zitat aus dieser Zeit:
Ich kenn einen Wahlspruch, der Goldes ist wert, heißt: frisch-fromm-froh-frei, den hat Vater Jahn uns Turnen gelehrt! Wir halten ihm ewige Treu.

Aufschwung

Ein mächtiger Aufschwung erfolgte in den 20er-Jahren, da in dieser Zeit der Fußballsport seinen Siegeszug in Burgstädt antrat. Turn- und Sportfeste sowie Fußballspiele fanden unter großer Anteilnahme statt. Mitglieder beim Waldfest in Herrenhaide Mitte der 20er-Jahre

Auf Beschluss seiner Mitglieder trat der Verein 1920 aus der Deutschen Turnerschaft aus (in Verbindung mit der Fusion mit dem SV “Heltonia” Burgstädt) und trat in den Arbeiter- Turn- und Sportbund (ATSB) ein. Der Name Turnverein “Vater Jahn” e. V. Burgstädt blieb erhalten, das Symbol des Vereins wurde hingegen vom Turnverein “Heltonia” übernommen.

Aus dem bürgerlichen Symbol FFFF (Frisch-Fromm-Froh-Frei) und dem Sportgruß “Gut Heil” wurden nach der Fusion das Symbol FFTS für (Frisch-Frei-Treu-Stark) und der Sportgruß “Frei Heil”.

 

Fußball

Aus der Fußballabteilung (FA) „Rasensport“ Göppersdorf ging 1925 die neu gegründete FA „Frisch Auf“ Burgstädt hervor, die dem Arbeiter-Turn-Sportfest auf dem Anger 1925/26Verein „Vater Jahn“ angehörte und fortan das Spielniveau des Burgstädter Fußballs bestimmte. Als Sportstätten standen die ungenügenden Plätze am Ratskaffee und auf dem Anger zur Verfügung. Am 07. Oktober 1926 kam es zum Kauf eines aus mehreren Flurstücken bestehenden Geländes vom Landwirt Karl August Engelmann hinter der Bahnlinie in Richtung Mohsdorf (heutiges Stadiongelände) für 62.400 Goldmark (aus Vereinsmitteln und Spendenbeiträgen) unter den engagierten Vorsitzenden:
  • Paul Naumann,
  • Martin Ihle und
  • Paul Riedel

Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion

Die Mitglieder des TV „Vater Jahn“ bauten von 1926 – 1931 das Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion selbst. Die Eintragung in das Grundbuch von Burgstädt erfolgte am 11. November 1927. Von Arbeitersportlern des Turnvereins “Vater Jahn” e. V. Burgstädt (u. a. Richard Nitzsche) wurdeBau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions 1928 ein Stein aus dem Flussbett der Chemnitz geborgen und mit dem Pferdefuhrwerk des Fuhrunternehmers Bernstein ins Stadiongelände transportiert. Dieser Stein erhielt die Inschrift mit:
  • dem Symbol des Vereins „FFTS“ und
  • dem Sportgruß “Frei Heil” sowie
  • “Unseren Toten zum Gedenken”
Dem Verein gehörten 1928 550 Mitglieder an. Am 13. Januar 1928 erfolgte der Teilverkauf des am 07. Oktober 1926 erworbenen Geländes an die Stadt Burgstädt, da sich der Verein finanziell übernommen hatte. Nur der Teil im Wertumfang von 26.000 Goldmark blieb schuldenfrei im Besitz des Vereins, der in den Folgejahren zum

„Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion“

mit zwei parallel nebeneinander liegenden Fußballplätzen gebaut werden sollte. Der erste Platz wurde 1929 in Betrieb genommen. Nach Fußballmannschaft aus dem Jahre 1931Verzögerung fand schließlich im Juli 1931 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung (nach Augenzeugenberichten fast 7.000 Burgstädter) die Einweihung des Stadions statt. Es wurde der noch heute im Stadion befindliche Gedenkstein gesetzt und eine noch heute stehende, inzwischen mächtige Eiche gepflanzt. Namhafte Gegner, darunter sogar die Fußball-Nationalmannschaft von Estland, waren in Burgstädt sportliche Kontrahenten der auch eine Blütezeit erlebenden Fußballabteilung “Frisch Auf”, die mehrfach Bezirksmeister im Fußball im ATSB-Bereich wurde. Das finsterste Kapitel folgte mit der Machtübernahme der Nazis. Die Sportler wurden in den bürgerlichen Sportvereinen “gleichgeschaltet” oder gaben ihre sportliche Betätigung auf.

finsterstes Kapitel

Der Arbeiter-, Turn- und Sportbund wurde am 28. Februar 1933 rechtswidrig aufgelöst und verboten. Die entschädigungslose Enteignung erfolgte am 20. Mai 1933, darunter auch das gerade erst geschaffene Stadion. Es wurden eine SA-Kampfbahn und ein Bunker zur Fremdarbeiterbaracken 1944/45Gasmaskenerprobung errichtet. Zur Eigentümerwechsel-Eintragung im Grundbuch kam es am 08. November 1935, als Eigentümer wird das Land Sachsen infolge Einziehung genannt. Als neuer Eigentümer wurde am 15. Januar 1936 die Stadt Burgstädt genannt. Das Gelände diente im 2. Weltkrieg als Fremdarbeiterlager. Truppenteile der Roten Armee bezogen 1945 mit Pferd und Wagen ihr Domizil im nun restlos verwüsteten Stadiongelände. Viele Burgstädter Sportler kamen im 2. Weltkrieg ums Leben. Die beiden Vereinsfahnen wurden jedoch vor dem Zugriff der Nazis bewahrt. Sie waren durch leider unbekannte Vereinsmitglieder auf einem Dachbodenverschlag der ehemaligen Feinspinnerei so gut versteckt, dass sie erst nach 50 Jahren in gut erhaltenem Zustand wieder aufgefunden wurden und somit dem Verein als historisches Gut erhalten blieben. Die Originalvereinsfahne wurde dem deutschen Sportmuseum Leipzig als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Eine Kopie der Vereinsfahne mit den historischen Daten ist im Verein vorhanden und wird bei Umzügen und Festen mitgeführt. Im Nationalen Aufbauwerk erfolgte von 1950 - 1954 der Wiederaufbau des Stadions in veränderter Form. Nach mehrjähriger Umbauzeit wurde das Stadion als

“Friedrich- Marschner Stadion”

zum Heimatfest 1954 eingeweiht und diente fortan sowohl dem Schulsport als auch den Fußballspielern der BSG Fortschritt Burgstädt als Heimstatt.

DDR

Da die früheren Vereine in der DDR nicht wieder zugelassen und der Sport durch die Bildung von Betriebssportgemeinschaften strukturiert wurde, blieb die Geschichte des TV “Vater Jahn” Burgstädt e. V. für die Nachkriegsgeneration lange im Dunkeln. Im Rahmen einer Festwoche vom 15. - 24.Mai 1970 wurde die Sportgeschichte von 1920 – 1970 50 Jahre Fußball in Burgstädt erstmalig durch Zeitzeugen erfasst. Die größten Erfolge gab es zu feiern, als: Teilnehmer des legendären Fußballspieles „Alt“ gegen „Ganz Alt“ vom 13. Juli 1957 (Mindestalter 50 Jahre)
  • 1959 der Staffelsieg in der Bezirksklasse und
  • 1974 der Aufstieg in die Bezirksliga gelang.
Zu dem Abstiegsduell des TV “Vater Jahn“ Burgstädt e. V. gegen den Lokalrivalen Hartmannsdorf (Ergebnis 3:2) im Jahre 1973 kamen 1.600 Zuschauer. Dieser Besucherrekord wurde nie wieder erreicht. Burgstädt blieb 1974 auf dem Weg zur Meisterschaft in 23 Punkten in Folge ungeschlagen - eine gleichfalls bisher nie wieder erreichte Leistung einer Burgstädter Mannschaft. Die u. a. aus mehreren Oldies von 1974 bestehende Mannschaft feierte 1981/1982 ihren letzten größeren Fußballerfolg mit dem Staffelsieg in der 1. Kreisklasse und dem Kreispokal. Nach der politischen Wende in Deutschland begann auch für den TV „Vater Jahn“ mit seiner Wiedergründung am 02. Januar 1991 das Wirken des von neuem.

Satzung

Es wurde eine Satzung aufgestellt.

Auszüge aus der Satzung:
  • Der Turnverein „Vater Jahn“ e.V. mit Sitz in Burgstädt, Am Friedrich-Marschner-Stadion 1a wird vertreten durch Herrn Rainer Landgraf.
  • Der Turnverein „Vater Jahn“ e.V. stellt sich mit seiner Wiedergründung am 02.01.1991 nach seinem Verbot am 03. Mai 1933 in die direkte sozialdemokratisch Mitgliedsurkundeorientierte Tradition dieses Arbeitersportvereins.
  • Der Turnverein „Vater Jahn“ e.V. ist unabhängig von seiner politischen Grundorientierung in seiner Mitgliedschaft für alle demokratisch gesinnten Sportler und Sportanhänger offen.
  • Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke im Sinne des Abschnitts „Steuerbegünstigte Zwecke“ der Abgabenordnung. Zweck des Vereins ist die Förderung des Sports und der freien Jugendhilfe auf der Basis vorhandener Traditionen.
  • Der Verein ist selbstlos tätig, er verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke.
  • Die Mitglieder des Vereins erhalten keine Zuwendungen aus Mitteln des Vereins und erhalten bei ihrem Ausscheiden oder bei Auflösen oder Aufheben des Vereins weder eingezahlte Beiträge zurück, noch haben sie irgendwelchen Anspruch auf das Vereinsvermögen.
  • Die Organe des Vereins arbeiten ehrenamtlich.
  • Der Verein wird nach seiner Registrierung unter der Nummer 19015 Mitglied des Landessportbundes Sachsen und seiner Fachverbände.
  • Der Turnverein „Vater Jahn“ e.V. Burgstädt soll in das Vereinsregister des Kreisgerichtes Chemnitz/Land eingetragen werden.
  • Mitglied des Vereins können natürliche Personen (ordentliche Mitglieder), juristische Personen und Vereine (außerordentliche Mitglieder) sein.

Wiedergründung

Durch die Wiedergründung des Vereins durch 30 traditionsbewusste Sportler am 10. Januar 1991 wurde an die alten Traditionen angeknüpft. Elf Vereinsmitglieder aus der Zeit vor 1933, deren bekanntester Vertreter aus der zu DDR - Zeiten langjährig beim FC Karl-Marx-Stadt tätige Trainer Herbert Naumann war, erlebten dieses Ereignis mit. Sie traten dem wiedergegründeten Verein sofort wieder bei. Sie bereicherten die Vereinsgeschichte durch viele historische Details und unterstützten den Verein aktiv, besonders bei der Rückgabe des enteigneten Vereinsvermögens. Die Neueintragung in das Vereinsregister des Kreisgerichtes Chemnitz/Land erfolgte am 18. Februar 1991 unter der laufenden Nummer 250; jetzt VR 378.

Der Verein gliederte sich in die Sportabteilungen:
  • Fußball-Abteilung „Frisch Auf“ - Alte Herren
  • Fußball-Abteilung „Frisch Auf“ - Volkssport
  • Fußball-Abteilung „Rot-Weiß 90“ - Burgstädt
  • Volleyball-Abteilung „Frisch Auf“ - Volkssport
  • Tischtennis-Abteilung „Rot-Weiß 90“ – Burgstädt
  • Ehrenmitglieder

Ehrenmitglieder

Bedingt durch das Anwachsen der Zahl der Mitglieder auf 61 Personen, wurde am 05. April 1991 die 1. Mitgliederversammlung einberufen. Es konnten die sechs Mitgliederausweise der Ehrenmitglieder (hier Herbert Engelmann)Ehrenmitglieder
  • Richard Nitzsche
  • Ehrhard Feichtner
  • Erwin Lorenz
  • Karl Marggraf
  • Herbert Engelmann
  • Herbert Naumann
begrüßt werden